Geschichte

Zur Geschichte des Vereins

Wir wissen nicht, welche Motive die Gründungsväter unseres Vereins hatten, als sich im Jahre 1832 einige „Delbrücker Unmünner“ zu einem Verein zusammenschlossen. Sicher ist, dass bereits vor dem Gründungsjahr bei uns, wie im Rheinland und im süddeutschen Raum, Karneval gefeiert wurde und dass das Kranzreiten auf die bereits an anderer Stelle erwähnten Reiterspiele der Spanier im Jahre 1604 zurückzuführen ist. Der erste Prinz, es war Philipp Kleine, genannt Kleins Vendt, hatte, man höre und staune, eine Regierungszeit von 40 Jahren. Eine ähnlich lange Regentschaft wurde mit fast 40 Jahren bis zum heutigen Tage nur noch von Hermann Strunz (Große Ohlen) und Josef Strunz (Kleine Ohlen) erreicht.

Wenn uns auch erst ab 1900 Protokolle vorliegen, die Aufschluss über die karnevalistischen Veranstaltungen geben, so datiert die älteste uns bekannte Karnevalszeitung aus dem Jahre 1898. Bis zum heutigen Tage wird diese Karnevalszeitung am Rosenmontag vertrieben. Jeder Delbrücker kann in kurzen Beiträgen die großen und kleinen Sünden der Einwohner anprangern.

Von Beginn des 20. Jahrhunderts bis zu Beginn des 1. Weltkrieges erlebte der Karnevalverein seine erste uns bekannte Blütezeit. Maskenbälle mit viel Humor und Witz wurden mit einfallsreichen und auch aufwendigen Kostümen gefeiert. Die alten Fotos erfreuen uns noch heute ganz besonders. Während des 1. Weltkrieges wurden sämtliche Veranstaltungen unterbrochen und erst ab 1919 fanden sich einige Delbrücker Narren zusammen, um im kleinsten Kreis das Vereinsleben wieder aufleben zu lassen. Gerade nach dem Krieg war dieses mit Schwierigkeiten und unangenehmen Auflagen, wie akutem Geldmangel, Beginn der Inflation und einem allgemeinen Maskierungsverbot verbunden. Karneval ohne Verkleidung? Der westfälische Dickkopf der Delbrücker und ihr Einfallsreichtum fanden auch hier einen Weg:

Die ersten karnevalistischen Veranstaltungen wie Kranzreiten, Rosenmontagszug und Maskenbälle wurden als Trachtenveranstaltungen deklariert. Die Obrigkeit ließ sich jedoch nicht austricksen und alle teilnehmenden Narren mussten eine erhebliche Geldbuße zahlen. Dass die Verantwortlichen des Karnevalvereins auch in der Folgezeit immer wieder einen Weg fanden, ihren Karneval zu feiern und dabei die von oben auferlegten Einschränkungen noch mit Humor trugen, zeigt eine zu diesem Zeitpunkt entstandene Strophe zu unserem Karnevalslied „Die Fastnacht kehret wieder ein…“:

„Ob Regen oder Sonnenschein, gefeiert wird ja doch; und mag es auch verboten sein, wir finden doch ein Loch. In Eintracht treu zusammensteh´n soll die Parole sein, drum schlägt uns kein Gewitter drein, hoch lebe der Verein.“

Während des 2. Weltkriegs fanden selbstverständlich keine Veranstaltungen statt. Nach 9 Jahren Unterbrechung durch Krieg und den damit verbundenen Nachkriegswirren wurde die erste Versammlung am 8. 1. 1948 bei Hilmers durchgeführt. Prinz Karneval äußerte die Ansicht, die Feier der Zeit entsprechend ohne allzu großen Trubel durchzuführen, wobei auf die Durchführung des Reiterzuges verzichtet wurde. In den sich anschließenden Versammlungen im Jahre 1948 kam die Ungewissheit über viele persönliche Schicksale und die allgemeine politische und wirtschaftliche Lage zum Ausdruck. Weil sich noch viele Kameraden in Gefangenschaft befanden, wurde beschlossen, von einem öffentlichen Umzug Abstand zu nehmen. In der Kappensitzung am 7. 2. 1948 überraschte eine Delbrückerin die Närrinnen und Narren mit dem selbst gedichteten und vertonten Karnevalsschlager „Bitte küß mich“, der beim Karnevalsball am übernächsten Tag immer wieder vorgetragen werden musste.

In der ersten Versammlung 1949 sprach sich die Mehrheit für die Durchführung des Reiterzuges aus. Am Rosenmontag fanden sich auf dem Alten Markt 67 Reiter ein, die von den Zuschauern begeistert begrüßt wurden. Vor vielen Schaulustigen wurde das historische Kranzreiten unter der Eiche beim Schlinghofe durchgeführt.

Das Alltagsleben begann sich wieder zu normalisieren und die Narren des Vereins Eintracht strebten bald von den Improvisationen der Nachkriegszeit zu immer neuen Höhepunkten im Karnevalsleben.

Bereits 1953 wussten die Verantwortlichen des Vereins eine gute Öffentlichkeitsarbeit zu schätzen und drängten auf den Medienmarkt:

Der Rosenmontagszug aus Delbrück wurde im Rundfunk übertragen. Ab 1954 wurden die wesentlichen karnevalistischen Höhepunkte im Schmalfilm festgehalten. In den 80iger Jahren löste das Videoband den Schmalfilm ab. Zwangsläufig erfolgt die erste Schallplattenaufnahme 1972, eine weitere 1982 und heute ist es nichts außergewöhnliches mehr, wenn im Rundfunk oder im Fernsehen über den Delbrücker Karneval berichtet wird. So am 11. 11. 1981 über den Auftakt der 150. Session in Gocken Deele. Am 9. 1. 1982 war der Präsident der Eintracht, Manfred Simon, mit einer Abordnung sogar Studiogast in der Sondersendung des WDR „So klingt´s – Karneval in Westfalen“. Die WDR-Jury hatte dafür auch zwei Delbrücker Beiträge ausgewählt, den von der Stadtkapelle Delbrück gespielten Marsch „Treuer Husar“ und den Hit „Ja, das ist Delbrück wie´s jubelt, singt und lacht“, von und mit Haus- und Hofkomponist Heinz Strunz. Zwischen den Musikbeiträgen erklärte der Präsident die Geschichte des Vereins.

Bis etwa 1965 wurde zu der jährlichen Generalversammlung mit einem bunten Festwagen, der durch die Straßen im Stadtkern fuhr, eingeladen. Die Versammlungen selbst fanden bei Hilmers (jetziges Café Müller) und später bei Bükers (Hotel Menneken, jetzt Stadtsparkasse), im Waldkrug und im Hotel Balzer statt. In den Anfängen des Delbrücker karnevalistischen Treibens fanden die Kappensitzungen bzw. die Preismaskenbälle in der sogenannten Kriegerhalle und später bis 1964, im Kinosaal Laumes-Kamp statt. Zu den Kappensitzungen fanden früher aber nur die Narren Einlass, die mit einem bunten Hut erschienen oder diesen an der Kasse kauften. Nach langwierigen Verhandlungen finden seit 1965 alle Kappensitzungen und Tanzveranstaltungen des Karnevalvereins im Jugendheim und seit 1992 in der Delbrücker Stadthalle statt. Der erste Kinderzug am Sonntag wurde 1972 ins Leben berufen und erfreut sich bei Jung und Alt immer größerer Beliebtheit. Der Karnevalverein trägt nach der Kommunalen Neugliederung auch zur Integration der einzelnen Stadtteile durch eine Festveranstaltung in der Mehrzweckhalle Ostenland in Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr Ostenland bei.

Besuchte der Verein am Karnevalsdienstag in früheren Jahren das Altersheim der Valepagen-Stiftung und das Kinderheim und erfreute die Bewohner mit seinen Geschenken, so werden heute die Schulen, Kindergärten und die Seniorenresidenz besucht. Nach Abwicklung des „anstrengenden“ Programms bei den jungen Narren, stärken sich die Karnevalisten bei einem Besuch in der Volksbank Paderborn Filiale Delbrück, der Volksbank Delbrück-Hövelhof (ehemals Spadaka) oder der Stadtsparkasse Delbrück. Wer dann noch feiern möchte (oder kann), ist beim Ausklang im „Musikerheim“ gut aufgehoben.

Doch nicht nur am Fastnachtsdienstag wird der Karneval exportiert, sondern in anderer Zusammensetzung auch über die Kreisgrenzen hinaus in andere Teile der Bundesrepublik getragen:

Nachdem im Jahr 1958 die erste Prinzengarde gegründet wurde, nahm ab 1966  eine tanzende Prinzengarde mit Tanzpaar an den Sitzungen teil. Seitdem vertritt die Prinzengarde den Karnevalsverein bei Tanzturnieren des BWK mit wechselndem Erfolg (1978 Vize-Westfalenmeister im Schautanz – Jugendtanzgarde). 1981 Platz 3 und Platz 4 bei den Tanzpaaren.
Obwohl der Rosenmontagszug in der heutigen Form seit Wiederbeginn im Jahre 1948 durchgeführt wird, ist er laut Protokollbesuch fünfmal ausgefallen: In der Versammlung am 25. 2. 1962 wurde der Beschluss der Vorstandssitzung bekannt gegeben, den Rosenmontagszug mit Rücksicht auf die Katastrophen in Völklingen/ Saar und in den norddeutschen Küstengebieten ausfallen zu lassen. 1965 fiel der Umzug aus, weil das Straßenverkehrsamt die Genehmigung in der von der Generalversammlung geforderten Form versagte (lt. Protokoll). 1990 fegt ein Orkan über Delbrück hinweg. Der Rosenmontagszug musste kurzfristig abgesagt werden. Herumwirbelnde Dachziegel, wegfliegende Würstchenbuden und vom Sturm zerfetzte Wagen sorgten also für einen „Vom Winde verwehten“ Umzug.

1991 beschlossen Vorstand und Elferrat im Rahmen einer Krisensitzung, die 159. Session in Delbrück wegen des Krieges am Golf, komplett abzusagen. Davon betroffen waren alle Sitzungen, die Prinzenproklamation, das historische Kranzreiten, der Kinder- und Rosenmontagszug. Obwohl kein offizielles Kranzreiten stattfand, veranstalteten einige unermüdliche Karnevalisten an der Schlaunstraße ein Kranzreiten mit Steckenpferden. König wurde Heinz Moor, Königin seine Nachbarin Christa Schmitz. Bedingt durch die komplette Absage blieben das Königspaar und der Prinz von 1990 auch im Jahr 1991 im Amt. Auch 1997 wurde nach einigem hin und her die Umzüge aufgrund der grassierenden Schweinepest komplett abgesagt. Aber wer die Delbrücker kennt, der weiß ja, dass sie erfinderisch sind. So wurde hinter der Stadthalle das historische Kranzreiten in Form von Steckenpferden durchgeführt und im Jahr darauf saß der alten „Schweine“ – Prinz auf einem überdimensionalen Trojanischen Holzpferd und wurde durch die Menschenmassen gezogen.

Die seit 1948 fortwährend ergänzte Karnevalsfestfolge stellt sich heute mit den jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen wie folgt dar:
• Kappensitzung in Ostenland
• Prinzenproklamation
• Seniorennachmitttag
• Altweiberfastnacht
• Hauptkappensitzung
• Karnevalsmesse
• Kinderzug mit anschließendem Kinderkarneval
• Historisches Kranzreiten
• Rosenmontagsumzug
Dieses umfangreiche Programm, das jedes Jahr mit anderen Höhepunkten (1999 WDR Übertragung der Närrischen Hitparade aus der Stadthalle mit Siegerin Ulla Sander, Jubiläum 2007 Stargast „Guido Cantz“) angereichert wird, erfordert in der Vorbereitung und der Durchführung ein eingespieltes Team. Im Gegensatz zu anderen Karneval- und Faschingsvereinen wird unsere Eintracht von 1832 nicht vom Prinzenpaar, sondern vom Königspaar und dem Prinzen regiert. Während die Reiter beim Kranzreiten um die Königswürde ringen und der Sieger, der Kranzkönig, am Montag seine Königin wählt, wird der Prinz ab 1969 von 4 Narren des Vorstandes aus der Delbrücker Bevölkerung für 1 Jahr bestimmt. Die Wahl dieses höchsten Repräsentanten des Delbrücker Karnevals bleibt bis zur Prinzenproklamation streng geheim: Bei der Prinzenproklamation wird der neue Prinz von seinem Vorgänger durch die Überreichung der Prinzenkette in sein hohes Amt eingeführt. Vor 1969 hatte der Prinz gleichzeitig auch das Amt des 1. Vorsitzenden inne.

Die Führung des Vereins liegt in Händen des Gesamtvorstandes, der aus dem Vorstand, dem Elferrat und dem Ältestenrat besteht. Dieses Gremium wäre bei den vielen Entscheidungen, die vor und bei der Durchführung des Programms zu fällen sind, zu groß und zu schwerfällig. Aus dem Grunde wurde vom Gesamtvorstand ein Ausschuss, der so genannte „Kleine Rat“ gebildet, der Vorschläge ausarbeitet und sie dem Vorstand zur Genehmigung vorlegt.

Für die künstlerische Leitung der Veranstaltungen des Vereins sind der Präsident und der Vizepräsident verantwortlich.